Gedenken an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953
Mit einer Gedenkveranstaltung an der Stele in der Rosenstraße erinnerten die Stadt Arnstadt und die VOS Bezirksgruppe Arnstadt/Gotha am 17. Juni 2025 an den Volksaufstand in der DDR.
Musikalisch begleitet vom Geiger Marco Onofri stand die Erinnerung an jenen Tag im Mittelpunkt, an dem 1953 in über 700 Orten der DDR Menschen gegen Repression und Unfreiheit auf die Straße gingen. Was als Arbeitsniederlegung begann, wurde zu einem landesweiten Protest für Demokratie und Menschenwürde.
Bürgermeister Frank Spilling stellte den historischen Bezug zur Stadt her: Zwar blieb es in Arnstadt am 17. Juni 1953 ruhig, doch der Wunsch nach Veränderung war auch hier spürbar – offen wurde er im Herbst 1989, als Arnstadt zu den ersten Städten in Thüringen mit sichtbarem Protest gehörte. „Sowohl der 17. Juni 1953 als auch der 30. September 1989 haben die gleiche Botschaft: Freiheit braucht Menschen, die sich einmischen und Verantwortung übernehmen“, sagte Spilling.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Beitrag des Zeitzeugen Paul Grunwald. 1953 war er dreizehn Jahre alt, als er bei Protesten in Delitzsch durch einen Schuss verletzt wurde. Nach dem Krankenhausaufenthalt durfte er mit seinen Pflegeeltern in die Bundesrepublik ausreisen. In seiner Rede rief er dazu auf, das politische System in Deutschland trotz mancher Schwächen wertzuschätzen – und dankbar zu sein für die Freiheiten, die heute selbstverständlich erscheinen: „Wir leben heute in der besten Demokratie, die Deutschland jemals hatte. In Deutschland fühle ich mich frei“, sagte Grunwald.
Auch Erika Korn, kommissarische Vorsitzende der VOS-Landesgruppe Thüringen, wandte sich mit einem Appell an die Öffentlichkeit. Sie sprach sich dafür aus, das Wissen über die DDR stärker im Schulunterricht zu verankern: „Es gibt große Wissenslücken bei der jungen Generation“, mahnte Korn und forderte eine umfassende und differenzierte Auseinandersetzung mit der Geschichte.
Die Veranstaltung endete mit einer Kranzniederlegung und einem letzten Musikstück von Marco Onofri.