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Offener Appell an die Landesregierung des Freistaates Thüringen und die Fraktionen des Thüringer Landtags

Foto: Clemens Bauerfeind/Weimar GmbH

Kulturstiftung Mitteldeutsche Schlösser und Gärten: Salomonische Lösung oder viel Lärm um Nichts - zumindest für Arnstadt!?

Mit großer Irritation und Enttäuschung musste ich Ende letzter Woche zur Kenntnis nehmen, dass das Schlossmuseum und das Neue Palais Arnstadt bei der (salomonischen?) Verteilung der Fördermittel für die Thüringer Schlösser und Gärten im Haushaltsausschuss des Bundestages keine Berücksichtigung gefunden hat. Diese Entscheidung steht in großer Diskrepanz zu den bisherigen Verlautbarungen der Thüringer Landesregierung und den Vertretern der Thüringer Regierungsfraktionen SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen sowie der CDU.

Unisono wurde bei vielen Gesprächen durch namhafte Mitglieder des Thüringer Landtags die Bedeutung des Neuen Palais mit dem Schlossmuseum für die Residenzlandschaft Mitteldeutschlands betont und weiterhin die zwingende Notwendigkeit einer nachhaltigen Unterstützung Arnstadts durch den Bund und vor allem durch den Freistaat Thüringen anerkannt und zugesichert.

Es bleibt festzuhalten, dass wir alle Anforderungen, welche an uns durch die Thüringer Staatskanzlei für die Aufnahme in die Stiftung respektive für den Erhalt von Fördermitteln aus dem Sonderinvestitionsprogramm herangetragen wurden, erfüllt haben. So wurde klar herausgearbeitet, dass unser Schlossmuseum den Kriterien des Blaubuches gerecht wird.

Auch kamen wir, der Arnstädter Stadtrat und ich als Bürgermeister, dem ausdrücklichen Wunsch des Leiters der Staatskanzlei, Herrn Prof. Dr. Hoff nach und fassten einen einstimmigen Beschluss für die Aufnahme des Schlossmuseums in die neu zu gründende Stiftung.

Ebenfalls wurde der durch die Staatskanzlei erhobenen Forderung nach Kooperationen der Thüringer Museen Rechnung getragen. Im Mai 2019 kam es in Arnstadt zur Gründung des Arbeitsverbundes „Schwarzburger Museen“ mit Bad Frankenhausen, Sondershausen sowie dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Ein Perspektivplan für das Haus und seine Sammlungen wurde erarbeitet; die Museumskonzeption fortgeschrieben. Es bleibt zu unterstreichen, dass all diese Anstrengungen und Investitionen wider Erwarten nicht ausreichend waren.

Fakt ist: Für den Erhalt unseres kulturellen Erbes benötigen wir dringend Hilfe!

Allein für die weitere Sanierung und Restaurierung werden aktuell ca. 15 Millionen Euro veranschlagt. Die des - weltweit einmaligen - Schmelzzimmers in unserem Schloss erfordert mindestens 1,5 Millionen Euro. Für die jährliche Unterhaltung des Schlossmuseums stellt die Stadt Arnstadt ca. 1 Million Euro zur Verfügung.

Die in dem Haushaltsauschussbeschluss definierten wichtigen Bereiche Digitalisierung, Provenienzforschung und kulturelle Bildung sind für das Schlossmuseum Arnstadt bereits konzipiert. Die Umsetzung dieser Projekte ist in Hinblick auf die Bedeutung unseres Schlossmuseums für die mitteldeutsche/europäische Kulturlandschaft fraglos von besonderem Bundesinteresse! Doch diese lassen sich nicht allein aus kommunalen Haushaltsmitteln realisieren.

Für mich ist der gefundene Kompromiss ganz und gar nicht ausgewogen. Ziel und Ansatz für die Bereitstellung der Fördermittel war aus meiner Sicht immer die Stärkung der Thüringer Residenzlandschaft in Gänze und die Verhinderung einer Zweiklassengesellschaft in der Thüringer Residenzlandschaft. Mit der jetzigen Fokussierung auf diverse Objekte und der exponierten Herausstellung einzelner Liegenschaften, wie explizit des Gothaer Schloss Friedenstein wird dieses Ziel erheblich konterkariert.

Das Arnstädter Schlossmuseum befindet sich in städtischer Trägerschaft. Die Stadt Arnstadt und der Förderverein des Schlossmuseums unternehmen seit vielen Jahren größte Anstrengungen, um das Schlossmuseum der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auf Grund der Bedeutung seiner Sammlungen, Teilen seiner innenarchitektonischen Raumausstattungen und der Beispielhaftigkeit des Gebäudeensembles ist eine Unterstützung durch den Freistaat Thüringen und den Bund erforderlich.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hoff, sehr geehrte Mitglieder des Thüringer Landtags,

ich gehe weiterhin zuversichtlich davon aus, dass Sie Ihren Worten Taten folgen und die Stadt Arnstadt beim Erhalt dieses Kulturerbes und dem Erreichen kultureller, musealer und kulturtouristischer Ziele unterstützen.

Ich freue mich auf weitere gemeinsame Gespräche.

Frank Spilling
Bürgermeister der Stadt Arnstadt