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Gedenken am 9. November

Anlässlich des 9. Novembers, dem 85. Jahrestag der Reichspogromnacht, versammelten sich rund 100 Arnstädterinnen und Arnstädter, um gemeinsam der Opfer zu gedenken. Am jüdischen Gedenkstein auf dem „Alten Friedhof“ hielten Bürgermeister Frank Spilling und Landrätin Petra Enders ergreifende Gedenkreden und erinnerten an die schrecklichen und menschenverachtenden Ereignisse dieser dunklen Nacht im Jahr 1938, als Juden regelrecht gejagt wurden.

In sehr persönlichen Worten berichtete Bürgermeister Spilling über ein Treffen mit einem Nachfahren einer der vielen jüdischen Familien in Arnstadt: Stefan Goldschmidt, heute 80 Jahre alt. "Er zeigte Größe. Er war ohne Hass und ohne Gram – obwohl seine Großeltern und seine enge Verwandtschaft in diesem Deutschland und von diesem Deutschland ermordet wurden. Er lächelte mich während unseres Gespräches oft an, zeigte sich als großer Bach-Freund und hatte reges Interesse an der Entwicklung unserer Stadt."

Von ihm habe er den Begriff „Tikkun Olam“  gelernt. Das sei Hebräisch und heiße "Die Welt reparieren". Gemeint seit, dass es in der Verantwortung eines jeden Einzelnen liegt, sich für eine bessere Welt einzusetzen. Dabei geht es um Moral und ethisches Handeln. Im Christentum würde man diesen Begriff am ehesten mit der christlichen Nächstenliebe gleichsetzen.

Der Bürgermeister schloss mit den Worten: "Ich lade Sie ein, ich ermutige Sie ausdrücklich: Dass wir in Arnstadt darauf achten, dass wir uns unserer Vergangenheit bewusst sind. Dass wir zeigen, dass wir aus der Geschichte gelernt haben!  Und dass der 9. November auch und gerade ein Tag ist – zum Erinnern, Trauern und Mahnen. Gegen das Vergessen!"

An die Gedenkveranstaltung schloss sich die 163. Arnstädter Stolpersteinverlegung an - für Paula Holz, geb. Stern. Mitarbeiter des Baubetriebshofes verlegten den Stein in der Sonderhäuser Straße 4 in Arnstadt. Jörg Kaps, zuständig für das jüdische Erbe der Stadt, sprach bewegende Worte und mahnte zugleich ein weiteres Engagement aller Bürgerinnen und Bürger an. Dabei bezog er klar Position: „Jüdisches Leben ohne Wenn – und Israel ohne Aber“, so Kaps.

Stadt Arnstadt 2024