Wir beginnen unseren Rundgang am Markt.
Mit seiner langgestreckten dreieckigen Form macht der Platz einen malerischen
Eindruck. Das schönste Gebäude des Marktes ist das repräsentative, dreigeschossige
Rathaus an der Nordseite des Platzes. Es wurde 1583 bis 1585 nach Plänen
des Arnstädter Ratsbaumeisters Christoph Junghans in niederländisch beeinflusstem
Renaissancestil erbaut.
Seine
Hauptfrontwird durch zwei Schmuckgiebel belebt. Den Ostgiebel schmückt
eine kunstvolle Uhr mit dem historischen Zifferblatt von 1585 umrahmt
von einem "wilden Mann" und einer "wilden Frau" (Wappenfiguren, wie sie
auch bei großen Staatswappen verwendet wurden) welche jeweils in einer
Hand die Arnstädter Stadtfahne (schwarz? gold) halten und mit der anderen
Hand durch Bewegungen die Stunden abzählen, mittags um 12 Uhr schlägt
der schwarze Adler darüber mit den Flügeln, die Kugel ("Lune") unter dem
Zifferblatt gibt die Mondphasen an. Die über dem Balkon in Nischen stehenden
Figuren stellen Bonifatius (den Stadtheiligen) und die Mutter Maria dar.
Es sind Plastiken aus dem Ende des 14. Jahrhunderts von einem Thüringer
(vermutlich Erfurter) Künstler.
Wegen der Sanierung des historischen Teils des Rathauses und der mangelnden Standsicherheit wurden die Natursteinfiguren 1997 vom Renaissancegiebel abgenommen. Ehe das seltene Schauspiel wieder bewundert werden kann, werden noch umfangreiche Sanierungsarbeiten am und im Rathaus vorausgehen.
Das schöne Renaissanceportal unter dem Westgiebel zeigt
das Wappentier der Stadt, den einköpfigen schwarzen Adler im goldenen
Feld und die Wappen der Ratsherren von 1586 sowie allegorische Figuren,
die Glaube, Liebe, Tapferkeit und Gerechtigkeit symbolisieren. Die lateinische
Inschrift auf dem Fries erinnert an den großen Stadtbrand von 1581. Sie
bedeutet: "Als zu Asche verbrannt durch Nebels Leichtsinn das Rathaus,
Da er sein Eigenes Heim sorglos den Flammen geweiht, Ist es unter dem
Schutz Jan Günthers schöner erstanden, haben die Väter der Stadt sorglos
den Aufbau bewirkt."
Auf der Ostseite schließt der Markt eine Häuserreihe, deren Obergeschosse
auf schön geformten Pfeilern ruhen; die unteren sind so weit zurück genommen,
dass eine "Galerie" entstanden ist. Hier befanden sich die "Tuchmachergaden"
(Verkaufsstände) der Tuchmacher. In der "Stadtapotheke unter der Galerie"
war der bekannte Schriftsteller; Sagen- und Märchensammler Ludwig Bechstein
von 1818 bis 1824 als Lehrling und Gehilfe tätig. Auf diese Zeit beziehen
sich seine Werke "Der Lehrling zum König Salomo", "Der Gehilfe zum König
Salomo" und "Meister Wolfram und seine Türme". Die "Thüringer Volksmärchen"
und "Der Sagenschatz des Thüringer Landes" wurden von ihm hier begonnen.
Im
Eckhaus der Galerie (Markt 12) wurde 1825 Eugenie John- Marlitt geboren,
die erst Sängerin war und später begann Romane und Erzählungen zu schreiben.
Ihre zunächst in der Familienzeitschrift ?Gartenlaube? veröffentlichten
Werke machten sie schnell international bekannt. (ab 1871
wohnte sie in der Marlitt-Villa in der Marlittstraße.)
Im "Schwarzburger Hof" (heute "Güldener
Greif") auf der Südseite des Marktes, einem alten Brau- und Ausspannhof
(1575 erwähnt, 1586 neuerbaut), spielt ihr bekanntester Roman das "Geheimnis
der alten Mamsell". |