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Stadt Arnstadt (Druckversion)

Arnstädter Persönlichkeiten

Eugenie John Marlitt

Friederike Henriette Christiane Eugenie wurde am 5. Dezember 1825 als zweite Tochter des Kaufmanns Ernst John in Arnstadt geboren.

Kantor Stade förderte die musikalische Begabung, die Eugenie von ihrer Mutter geerbt hatte.

Fürstin Mathilde von Schwarzburg - Sondershausen galt als Förderin von Kunst und Wissenschaft und ließ das Mädchen von 1841-1844 auf Bitten des Vaters in allgemeinen Schulfächern, Klavier und Gesang, sowie Fremdsprachen in der Residenzstadt Sondershausen ausbilden.

Von 1844-1846 ermöglichte ihr die Fürstin am Konservatorium in Wien eine Ausbildung als Opernsängerin.

1847 spielte Eugenie John die Rolle der Gabriele in Kreutzers Oper „Das Nachtlager von Granada“.

Jedoch kam ihr Talent nicht zur Geltung, Angst und Aufregung ließen ihren Auftritt zu einer peinlichen, bitteren Erfahrung werden. Sie kehrte auf die kleine Bühne nach Sondershausen zurück. Gastspiele in Linz, Graz, Krakau, Lemburg und Ölmütz folgten.

Eine zunächst leichte Schwerhörigkeit führte 1853 zur Beendigung der Laufbahn als Opernsängerin.

Fürstin Mathilde bot ihr nun an, nach Oehringen (Süddeutschland) zu kommen, wo sie nach der Trennung von ihrem Mann seit 1852 lebte.

Als Gesellschafterin und Vorleserin der Fürstin lernte Eugenie John viele interessante Menschen kennen und sammelte wertvolle Erfahrungen. Ihr schriftstellerisches Talent zeigte seine ersten Früchte. „Mein Herbarium“ nannte sie ihre Niederschrift lyrischer Gedichte, ihre erste Novelle hieß „Schulmeisters Marie“.

Eine weitere Erkrankung, Verdickungen an Fingern und Gelenken, stellte sich bei einer Untersuchung in München als unheilbar heraus. Hier lernte Eugenie John den Dichter Friedrich Bodenstedt kennen, welcher sie zu weiterem literarischem Schaffen ermunterte.

1863 trennte sich Eugenie von der Fürstin und kehrte nach Arnstadt zurück. Ihr Bruder Alfred nahm sie liebevoll auf.

Eugenie arbeitete an ihrer zweiten Novelle „Die zwölf Apostel“. Dem Drängen ihres Bruders Alfred nachgebend, schickte sie unter dem Pseudonym „Marlitt“ die Manuskripte von „Schulmeisters Marie“ und „Die zwölf Apostel“ an den Verleger der Zeitschrift „Die Gartenlaube“, Ernst Keil, nach Leipzig. Mit der Veröffentlichung der Erzählung „Die zwölf Apostel“ 1865 begann ihre Laufbahn als Schriftstellerin. Sie wurde zur gefragtesten Autorin der 1853 gegründeten Familienzeitschrift, in der ihre Romane und Erzählungen in Fortsetzungen erschienen. Erst nach dem Abdruck in der „Gartenlaube“ wurden ihre Werke auch in Buchform herausgegeben und bald in fast alle europäischen Sprachen übersetzt.

Mit dem Erlös der Buchausgabe „Reichsgräfin Gisela“ konnte sich Marlitt einen Lebenstraum erfüllen. 1871 zog sie in ihr eigenes Heim - die Villa Marlitt.

Marlitts Rheumaleiden zwang sie zu dieser Zeit bereits an den Rollstuhl, den sie nicht mehr verlassen konnte.

Sie erholte sich nicht von ihrem Krankenlager und starb am 22. Juni 1887 in ihrer Villa.

Mehr unter www.marlitt.arnstadt.de


http://www.arnstadt.de/de/stadt-verwaltung/stadtportraet/arnstaedter-persoenlichkeiten.html