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Innovative Technik an Fußgängerampel hilft blinden und sehbehinderten Verkehrsteilnehmern

Am Mittwoch, 1. November 2017 wurde an der Fußgängerbedarfsampel in der Stadtilmer Straße in Arnstadt erstmals in Thüringen eine innovative Zusatztechnik für blinde und sehbehinderte Verkehrsteilnehmer freigeschaltet und in Betrieb genommen. Zu diesem Termin hat die Signalbaufirma Siemens im Auftrag des Straßenbauamtes Mittelthüringen an der Lichtzeichenanlage eine Zusatzeinrichtung für blinde und sehbehinderte Fußgänger von der Firma RTB GmbH & Co. KG eingebaut. Das Neue daran ist, dass die Technik auf einem Bluetooth basierenden System, genannt Loc-ID, basiert. Die Regie lag in den verantwortungsvollen Händen des Straßenbauamtes Mittelthüringen. Die VertreterInnen des Landesverbandes und der Ilm-Kreis-Organisation des Blinden- und Sehbehindertenverbandes testeten gestern erstmals diese innovative Technik, welche zum ersten Mal in Thüringen an einer Ampelanlage eingebaut wurde.

Wie funktioniert das neue System?
Nähert sich ein blinder oder sehbehinderte Passant mit seinem Smartphone und der darauf installierten App der Lichtzeichenanlage, wird er erkannt und erhält ein angehobenes Orientierungssignal. Je näher er der Lichtzeichenanlage kommt, desto leiser wird das Signal und erreicht beim Eintreffen wieder die Ausgangslautstärke. Die Grünphase wird nach wie vor mit dem akustischen Freigabeton signalisiert, den jeder Verkehrsteilnehmer per Taster anfordern kann. Ist dieser Freigabeton beim Überqueren der Furt nur von kurzer Dauer, führt der gegenüberliegende Pilotton den blinden oder sehbehinderten Benutzer über den Rest der Furt, damit die Straße sicher überquert werden kann. Blinde und Sehbehinderte Mitbürger ohne Smartphone haben auch mittels eines Handsenders die Möglichkeit dieses System zu nutzen. Auch im öffentlichen Nahverkehr unterstützt Loc-ID den blinden oder sehbehinderten Benutzer. Nähert er sich einer dynamischen Fahrgastanzeige, so erkennt der Empfänger, dass der Benutzer sich der Anlage nähert und gibt einen lauten Orientierungston aus. Kommt der Nutzer der Informationsquelle näher wird das Orientierungssignal der dynamischen Fahrgastanzeige abgestellt. Die dynamische Fahrgastanzeige erkennt, dass der Benutzer verweilt und Informationen abrufen möchte. Die automatische Sprachausgabe wird eingeschaltet, so weitere zukünftige Einsatzmöglichkeiten des Systems.

Diese bemerkenswerte Zusatztechnik wurde von der Firma RTB GmbH & Co. KG aus Bad Lippspringe gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. entwickelt und kommt bereits in anderen Bundesländern zum Einsatz. Die Behindertenbeauftrage der Stadt Arnstadt las darüber im Magazin für Verkehrstechnik und schnell war klar, dass sollte auch in Thüringen für blinde und sehbehinderte Verkehrsteilnehmer möglich werden. Die Verbindung mit Herrn Rudolf Broer von der Firma RTB GmbH & Co. KG aus Bad Lippspringe kam unkompliziert zustande. Ein erstes Umsetzungsgespräch mit allen Beteiligten wurde bereits Ende August geführt. Hier einigte man sich schnell - die innovative Technik soll mit den Betroffenen zusammen in Arnstadt eingebaut und getestet werden, um gegebenenfalls weitere Ampeln in anderen Thüringer Städten aus- und nachzurüsten. Doch dies ist nicht ohne finanzielle Mittel und ohne Mehraufwand umsetzbar, so das Straßenbauamt Mittelthüringen, in deren Regie die Ampelanlagen an den Landesstraßen gewartet und betreut werden. Zirka 3.000 € kostet die Zusatzausstattung. Die Strategie des Straßenbauamtes lautet daher: Im Zuge der Umrüstung auf LED-Technik der ältesten Anlagen wird geprüft, ob die Zusatztechnik eingebaut werden kann, sofern sich der Einsatz in Arnstadt bewährt und sich die Technik mit den bestehenden Anlagen kompatibel umsetzen lässt.

Mit dem Straßenbauamt Thüringen hatte die Behindertenbeauftragte der Stadt Arnstadt sofort einen interessierten Partner gefunden, um das Pilotprojekt für Thüringen in Arnstadt zu initiieren. Nach reiflicher Überlegung fiel die Wahl auf die Fußgängerbedarfsampel nahe am Bahnhof Arnstadt-Süd. In der Wegebeziehung der blinden und sehbehinderten Menschen ist der Übergang eine wichtige Mobilitätsverbindung, nicht nur zum Bahnhof, sondern zur nahe gelegenen Haltestelle und zur Apotheke. Zudem verfügte diese Anlage über noch keine akustische Ausstattung, die noch aus den 90ziger Jahren stammte.  Die Zusage, sich an den Kosten der Umrüstung bei der ersten Ampelanlage in Thüringen zu beteiligen, lag von der Firma RTB GmbH & Co. KG schnell vor. Mit Herrn Rudolf Broer, selbst früher Mobilitätstrainer für Blinde und Sehbehinderte, hat die Firma RTB GmbH & Co. KG einen engagierten Geschäftsführer, der dem Anliegen in Arnstadt von Anfang an positiv aufgeschlossen war. Nun wird sich zeigen, ob der Test erfolgreich sein wird. Das Straßenbauamt Mittelthüringen ist ebenso gespannt, wie alle Beteiligten. Die Vertreterin vom Landesverband der Blinden- und Sehbehinderten war jedenfalls begeistert, so dass sie die Information an die Mitgliedsorganisationen weiterleitet. Arnstadt wird sicherlich nun öfters Besuch von blinden und sehbehinderten Gästen bekommen, welche die neue Technik mit ihren Smartphone ausprobieren werden. Geprüft werden soll, wann an diesem Übergang für mobilitätsbehinderte Verkehrsteilnehmer die Borde besser abgesenkt und für Blinde und Sehbehinderte Bodenindikatoren eingebaut werden, versprach der Bürgermeister, Herr Alexander Dill.

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