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Tafelbild mit dem heiligen Bernhardin

Am Freitag, dem 10. November, findet um 15.30 Uhr die erste Kuratorenführung in der neuen Sonderausstellung "Wandel und Beständigkeit. Die Reformation in Arnstadt und Umgebung" statt. Hierzu lädt das Schlossmuseum Arnstadt und der Kurator Martin Sladeczek herzlich ein. Erwachsenen Besuchern und Kindern wird im Rahmen der Führung der ermäßigte Eintritt gewährt (Erw.: 3,50 €; Kinder ab 6 Jahren 1,75 €).

Das außerordentlich große Tafelbild, das sich wohl ursprünglich in der Arnstädter Oberkirche (Franziskanerkirche) befand, stellt Bernhardin von Siena, den erfolgreichen italienischen Volksprediger und maßgeblichen Vertreter des observanten Zweiges des Franziskanerordens in der ersten Hälfte des 15. Jh. dar. Dieser verstarb 1444 und wurde bereits am Pfingstfest des Jahres 1450 heiliggesprochen. Schon kurz nach Bernhardins Tod setzte die Tradition seiner bildlichen Darstellung mit einer charakteristischen Ikonografie ein: Meist im hochrechteckigen Bildformat erscheint stehend eine hagere, asketische Gestalt mit kahlem Haupt und franziskanischer Kleidung. In der linken Hand hält er ein geöffnetes Buch und in der zum Redegestus erhobenen rechten Hand eine von Sonnenstrahlen umgebene Tafel oder Scheibe mit dem Christusmonogramm „IHS“, was auf die vom ihm inspirierte Verehrung des Namens Jesu hinweist. Ein häufiges und insbesondere nördlich der Alpen verbreitetes Bildmotiv seiner Darstellung sind drei Bischofsmitren als Zeichen seines Verzichtes auf die drei ihm angebotenen Bistümer Ferrara, Siena und Urbino, die gelegentlich von den Silhouetten der drei Städte begleitet werden. Dieser ikonografischen Konvention folgt auch die Arnstädter Tafel, die den Heiligen leicht nach rechts gewendet mit einem aufgeschlagenen Buch in der linken Hand zeigt, auf dessen Seiten der Text „Pater manifestaui nomen tuum hominibus quos dedisti mihi“ („Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir gegeben hast“ Joh 17, 6) steht. Die Sonnenscheibe wird von der Inschrift „In  nomine  Jesu  omne  genu  flectatur  celestium“ („Im Namen Jesu soll sich jedes Knie beugen im Himmel…“ Phil 2,10) umzogen. In der weiß abgesetzten Leiste zu Füßen des Heiligen finden sich die Inschriften: „O heylier vater bernhardyn Beth got vor uns stete/ Vnnd laß vns dyr bevol syn In der not“ Der lateinische Text des gewundenen Inschriftenbandes, das sich unter dem oberen Rand hinzieht, ist nur noch teilweise lesbar. Eigentümliche Bildelemente der Tafel stellen die Vera Ikon, die mit der Sonnenscheibe spiegelbildlich korrespondiert, und die vier kleinen Pilgergestalten dar, die sich von beiden Seiten dem Heiligen nähern.

…Die Datierung macht einen Zusammenhang zwischen der Entstehung der Tafel und der  Predigtreise des Johannes von Kapistran wahrscheinlich, der am 26./27. August 1452 auch Arnstadt besuchte. Johannes von Kapistran, der als Volksprediger und Vikar des observanten Zweigs des Franziskanerordens in Italien eng mit seinem nur wenig älteren aber von ihm hochverehrten Vorbild Bernhardin zusammengearbeitet hatte, war die treibende Kraft bei dessen Kanonisation und sorgte auch für die weite Verbreitung des jungen Kultes. Von Enea Silvio Piccolomini, dem Sekretär Friedrichs III. (und späteren Papst Pius II.), eingeladen in Österreich den Frieden und die Wahrheiten des Glaubens zu predigen sowie die Franzikanerniederlassungen im Sinne der Observanz zu reformieren, brach Johannes von Kapistran im Mai 1551 in Begleitung von zwölf sorgfältig ausgesuchten Brüdern von Italien nach Wien auf. Aus dieser Unternehmung entwickelte sich eine mehrjährige volksmissionarische Predigtreise, auf der Johannes von Kapistran die von ihm schon 1451 gesuchte direkte Konfrontation mit den Führern der böhmischen Hussiten versagt blieb. Aus immer neuen Versuchen, mit Predigten in Böhmen selbst gegen die ‚ketzerischen‘ Lehren aufzutreten, und drängenden Einladungen von Fürsten und Stadträten, bei ihnen durch die Predigt für die Besserung des Klerus und die Belehrung der Laien zu wirken, resultierte eine zuweilen im Zick-Zack verlaufende Reiseroute, die Johannes von Kapistran und seine Gefährten von 1451 bis 1454 durch Bayern, Thüringen, Sachsen, Schlesien, Mähren und Westböhmen führte, bevor er nach dem Fall Konstantinopels die Kreuzzugspredigt gegen das osmanische Heer übernahm und 1456 als ‚Retter Belgrads‘ starb. Die Auftritte an den Stationen seiner Predigtreise wurden zu Massenereignissen, zu denen das Volk aus der weiteren Umgebung zusammenströmte.

Nachdem Johannes von Kapistran bereits im Februar und März 1452 von Eger kommend Ölsnitz, Zwickau, Chemnitz, Freiberg und Meißen besucht hatte, reiste er nach seiner Teilnahme am Regensburger Reichstag im Juni 1452 und längeren Aufenthalten in Nürnberg sowie Bamberg im August auf Einladung des Herzogs Wilhelm III. nach Thüringen. Die erste Station nördlich des Thüringer Waldes war Arnstadt, dessen Franziskanerniederlassung sich erst kurz zuvor (1445) der Observanz angeschlossen hatte. Ob hier im August 1452  tatsächlich ein Provinzialkapitel der sächsischen Observanten stattfand, ist unklar. Sicher ist aber, dass Johannes von Kapistran in Arnstadt predigte, denn die Stadtrechnungen belegen nicht nur Ausgaben für die Verpflegung und den Transport der Brüder, sondern auch für Material und Arbeitslohn „zcu predigestule“. Dass Johannes von Kapistran bei seinem Aufenthalt in Arnstadt das Volk nicht nur von Fehlern, schlechten Gewohnheiten und schmutzigen Spielen gereinigt, sondern auch Wunder vollbracht habe, bestätigten Bürgermeister und Rat von Arnstadt noch 1462, als sie bei Papst Pius II. die Heiligsprechung des Volkspredigers unterstützten.              

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Bach-Festival-Arnstadt 2018

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Veranstaltungen

Sa. 04.11.2017 bis So. 08.04.2018 - 09:30 bis 16:30 Uhr
Veranstalter: Schlossmuseum Arnstadt
Ort: Schlossplatz 1, 99310 Arnstadt
Di. 23.01.2018 - 09:00 Uhr
Veranstalter: Stadt- und Kreisbibliothek Arnstadt
Ort: Bibliothek im Prinzenhof
Mi. 24.01.2018 - 09:00 bis 10:30 Uhr
Veranstalter: Frauen- und Familienzentrum
Ort: Rankestraße 11, 99310 Arnstadt
Mi. 24.01.2018 - 14:00 bis 16:00 Uhr
Veranstalter: Frauen- und Familienzentrum
Ort: Rankestraße 11, 99310 Arnstadt
Mi. 24.01.2018 - 14:30 bis 16:30 Uhr
Veranstalter: Frauen- und Familienzentrum
Ort: Rankestraße 11